Der Lotus Effekt
(Quelle: Wikipedia)
Der Lotuseffekt bezieht sich auf die äußerst
geringe Benetzbarkeit und
hohe Selbstreinigung biologischer
Oberflächen, unter anderem bei der Lotuspflanze.
Auf der Blüte und den Blättern wird selbst extrem gut haftendes
Farbpulver von Wasser einfach weggespült, nicht einmal Klebstoff auf
Wasserbasis bleibt an der Oberfläche haften. Auch andere Pflanzen,
wie beispielsweise die Kapuzinerkresse, Kohl,
Schilfrohr, Akelei, Tulpe und Banane zeigen
diesen Effekt.
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Ursache
Nachdem der Botaniker Prof. Wilhelm Barthlott von der Universität
Bonn feststellte, dass manche Pflanzen im Herbarium häufig
schmutzig waren, wogegen Individuen anderer Arten während vieler Jahre
stets sauber blieben, untersuchte er dieses Phänomen genauer und beschrieb
dessen physikochemische Grundlagen zusammen mit C. Neinhuis in den 1990er Jahren.
Wassertropfen haben wie alle Flüssigkeiten die Tendenz zur Minimierung
ihrer Oberfläche in Form einer Kugel. Dem wirken Erdanziehung und Adhäsion entgegen,
letzteres jedoch in Abhängigkeit von der Oberflächenspannung .
Die Ursache des Effekts liegt in der besonderen Oberflächenstruktur
der Pflanzen. Die Epidermis bildet
dabei etwa fünf bis zehn Mikrometer hohe und zehn bis fünfzehn
Mikrometer voneinander entfernte Noppen, denen eine Cuticula aufgelagert
ist. Sie besteht aus einem Grundgerüst von Polymeren wie Cutin und
den darin eingelagerten hydrophoben Wachsen .
Durch die Oberflächenstruktur der Pflanzen werden gegenüber Wasser
Kontaktwinkel von
bis zu 160° erreicht (Superhydrophobie). Das bedeutet, dass nur etwa
2 bis 3 % der Tropfenoberfläche mit der Oberfläche der Pflanze
in Kontakt stehen, diese also eine extrem geringe Benetzbarkeit besitzt.
Die Adhäsion zwischen
Blattoberfläche und Wassertropfen ist dabei so gering, dass das Wasser
leicht abperlen kann. Aufliegende Schmutzpartikel – die ebenfalls nur eine
kleine Kontaktfläche besitzen – werden dadurch mitgerissen und weggespült.
Durch die zentrale Bedeutung der Oberflächenspannung wässriger
Lösungen für die Minimierung der Kontaktfläche wird verständlich,
dass der Lotuseffekt in dieser Form nicht bei stark benetzenden Lösungsmitteln
auftreten kann.
Die Voraussetzung zur Reproduzierung des Effekts sind daher mikro- und
nanostrukturierte, super-hydrophobe Oberflächen (5-20 µm hoch und 5-50 µm
voneinander entfernt, 1 µm = 10 - 6 m).
Animation
Biologische Bedeutung
Die biologische Bedeutung dieses Effekts liegt für die Pflanze im
Schutz vor einer Besiedlung durch Mikroorganismen, Krankheitserregern oder
Keimen, beispielsweise Pilzsporen, oder dem Bewuchs mit Algen. Dies gilt
in ähnlicher Weise für Tiere wie Schmetterlinge, Libellen und
andere Insekten, die mit ihren Beinen nicht überall an ihren Körper
zum Säubern hinreichen.
Eine weitere positive Wirkung des Lotuseffekts ist die Verhinderung von
Verschmutzungen, die den Lichteinfall vermindern und Spaltöffnungen verschließen
könnten. Letztere dienen dem Gasaustausch einer Pflanze. Sie können
ebenfalls durch auf den Blättern befindliches Wasser blockiert werden.
Durch die Superhydrophobie und den Einfluss des Windes werden solche Wassertropfen
effizient von den Blättern entfernt.
Anwendungen
Im Jahr 1995 wurde das
Patentierungsverfahren durchgeführt und erste Kooperationsverträge
mit der Industrie abgeschlossen.
Eingeführt wurde der Begriff Lotus-Effect 1997 in
einem Fachartikel in der Zeitschrift Planta .
Der Name Lotus-Effect wurde von Barthlott 1998 als Marke registriert.
Es ist mittlerweile gelungen, die Oberflächenstruktur künstlich
nachzubilden. Kommerzielle Produkte sind selbstreinigende Dachziegel und
eine selbstreinigende Fassadenfarbe („Lotusan“). Es ist auch gelungen, einen
Autolack mit Lotuseffekt herzustellen. Dieser Lack konnte
sich aufgrund seiner optischen Eigenschaften am Markt nicht durchsetzen,
da er wegen der erhöhten Rauheit zu matt wirkt. Aus dem Bereich der
Nanotechnologie gibt
es mittlerweile ebenfalls Beschichtungen ,
die superhydrophob sind. Diese Oberflächen sind zwar wasserabweisend,
jedoch nicht selbstreinigend, sondern easy-to-clean . Es gibt auch
Spray-Beschichtungen, die solche Nano-Strukturen ausbilden. Werden diese
Beschichtungen auf bereits entsprechend mikrostrukturierte Oberflächen
aufgebracht, kann ein Lotuseffekt erzielt werden.
